Phenibut – 16 Verwendungen & Wirkungen

Phenibut ist ein GABA-Wirkstoff-Psychopharmaka zur Behandlung von Angstzuständen, mit nootroper Wirkung. In Russland wird es bei PTBS, Angstzuständen, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Depression und Alkoholismus eingesetzt. In den Vereinigten Staaten wird Phenibut als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft. Aber es wird auch als Freizeitdroge verwendet und kann süchtig machen. Erfahren Sie etwas weiter unten mehr über seine Wirkungen, Nebenwirkungen und natürliche Alternativen.

Hinweis

Hinweis: Mit diesem Beitrag möchten wir keine Empfehlung für dieses Medikament aussprechen. Unsere Leser haben uns gebeten, einen Beitrag darüber zu verfassen und wir stellen lediglich Informationen zur Verfügung, die in der wissenschaftlichen und klinischen Literatur verfügbar sind. Bitte besprechen Sie Ihre Arzneimitteleinnahme mit Ihrem Arzt

Wir haben auch einen Abschnitt über natürliche Alternativen hinzugefügt, da es eine Vielzahl von natürlichen, potenziell sicheren Möglichkeiten gibt, GABA zu steigern und ähnliche Effekte ohne die gesundheitlichen Risiken zu erzielen.

Was ist Phenibut?

Phenibut (Beta-Phenyl-GABA) ist ein synthetisches Präparat, das dem beruhigenden Neurotransmitter GABA ähnlich ist. Es steigert die GABA-Aktivität im Gehirn und stimuliert die Dopamin- und Serotonin-Neurotransmission [1, 2, 3].

Durch die Steigerung von GABA, Serotonin und Dopamin – drei wichtige Neurotransmitter im Gehirn – kann dieses Mittel tiefgreifende Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten, die Stimmung und den Energielevel haben [2].

Phenibut wurde in den 60er Jahren in Russland entwickelt und wird seitdem in der Medizin eingesetzt, um Spannungen, Ängste, posttraumatische Belastungsstörungen, Depressionen und Schlaflosigkeit zu lindern. Es wird auch verwendet, um die intellektuelle Funktion bei verschiedenen psychischen Störungen zu verbessern. Alle zugelassenen Anwendungen sind auf Russland beschränkt [4].

Es wird oft in der Freizeit eingesetzt, um Sozialängste zu lindern und Euphorie zu induzieren, was ihm den Spitznamen Glückspille in Online-Foren einbrachte. Viele Menschen behandeln sich selbst mit Phenibut, um Ängste und Beklemmungen zu lindern, die Kognition und positive Gefühle zu steigern und sogar um die körperliche Ausdauer und Libido zu verbessern. Studenten und Unternehmer verwenden es als Nootropikum und nennen es „Smart Pille“.

Es ist technisch gesehen legal, allerdings ist es nicht von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA für den medizinischen Einsatz in den Vereinigten Staaten zugelassen.

Es wird als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft und verkauft. Dabei hat es nichts mit „Ernährung“ zu tun, sondern ist eine synthetische Designersubstanz, die Nebenwirkungen, Abhängigkeit, Entzug und Überdosierung verursachen kann. Sein Verkauf und Gebrauch bleibt eine nicht regulierte Grauzone. Es wird online unter verschiedenen Markennamen verkauft, wie Noofen, Anvifen und Fenibut [5].

Das Mittel Citrocard ist ein sehr ähnliches Analogon von Phenibut (Phenibut-Zitrat), wenn auch nicht identisch [6].

Dosierung und Wirkdauer von Phenibut

Nach mehreren fast tödlichen Überdosierungen wurde im Jahr 2013 im Bundesstaat New York eine offizielle Phenibut-Warnung herausgegeben.

Darin wird die Substanz Phenibut HCL erwähnt, ein billiges, weißes, säuerlich schmeckendes Pulver, das in Wasser oder Alkohol löslich ist. Laut diesem Bericht nehmen Menschen in der Regel 0,5 – 4 g ein, die Wirkung tritt nach 60 – 90 Minuten und hält 4 – 10 Stunden an.

Die tatsächliche Dosierung in den meisten klinischen Studien variierte zwischen 500mg – 1g/Tag.

Was macht Phenibut zu einem so genannten Psychoaktivum?

Indem sie GABA chemisch modifizierten (einen Phenylring hinzufügen), schufen russische Wissenschaftler mit Phenibut ein Medikament, das die Blut-Hirn-Schranke leicht überwinden kann [2].

Phenibut erreicht seine psychoaktiven Effekte durch [5]:

  • Aktivierung der beiden bekannten GABA-Rezeptoren (GABA-A und GABA-B) [7]
  • Steigerung von Dopamin und Serotonin
  • Blockierung einer angstauslösenden Gehirnsubstanz namens Beta-Phenylethylamin (PEA)

So wie Dexedrin die aktivste Komponente von Adderall ist, so ist R-Phenibut die aktive Komponente in Phenibut. R-Phenibut war zweimal stärker GABA-Booster und Schmerzmittel als die andere Komponente (S-Phenibut) in Tierversuchen [8].

Die Geschichte der russischen Kosmonauten

Es gibt eine beliebte Geschichte, die Phenibut die Attribute eines „russischen Wundermittels“ verleiht. Wir wissen allerdings nichts über die Glaubwürdigkeit dieser Geschichte, so dass sie eher eine Legende bleibt, die im Laufe der Zeit viel Aufmerksamkeit und wechselnde Interpretationen erhielt.

Demnach wurde es im russischen Raumfahrtprogramm eingesetzt, als die gemeinsame US-amerikanisch-russische Raumfahrtmission in den 1970er Jahren auf technische Probleme stieß. Die Mission konnte kein Mittel finden, um einen Andockmechanismus des Raumschiffs zu reparieren. Die einzige Notlösung war, den russischen Astronauten zu sagen, sie sollten Phenibut nehmen und sich ausruhen. Und anscheinend brachten die kombinierten Kräfte von Ruhe und Phenibut den Astronauten Ruhe und Frieden, so dass sie in der Lage waren, eine kreative Lösung für das ganze Fiasko zu finden.

Der Nachteil dieser Geschichte ist, dass sie den Gebrauch romantisiert, ohne solide wissenschaftliche Beweise oder die Erwähnung von Nebenwirkungen. Die Leute nutzen diese Anekdote, um ihren eigenen Freizeitgebrauch der Droge zu rechtfertigen. Die tatsächliche wissenschaftliche Literatur berichtet andere Geschichten.

Wirkung von Phenibut

In der Tat gibt es über 300 veröffentlichte wissenschaftliche Studien über Phenibut. Aber die meisten sind in russischer Sprache und wurden an Tieren oder Zellen durchgeführt. Manche Leser werden enttäuscht darüber sein, dass grundlegende Beweise fehlen, um einen großen Teil der überzogenen Behauptungen online zu unterstützen [2].

Es kann einen therapeutischen Nutzen für verschiedene Erkrankungen haben, allerdings sind weitere klinische Untersuchungen notwendig um dies zu belegen.

Der Hauptfehler bei der Interpretation der verfügbaren Beweise ist die Annahme, dass Phenibut und GABA dasselbe sind. Dieses Medikament wurde deshalb entwickelt, um einen stärkeren Wirkstoff als das natürlich vorkommende GABA zu liefern der die Blut-Hirn-Schranke passieren kann. Seine Wirkung ähnelt eher den Medikamenten Baclofen, Diazepam und Piracetam [2].

Einer der Hauptnachteile ist, dass Menschen leicht eine Toleranz aufbauen und abhängig werden. Dies kann zu Sucht, Entzug oder sogar Überdosierung führen. Die Entzugserscheinungen können ziemlich schwer, sehr unangenehm und schwer auszuhalten sein [9].

1

Steigerung der kognitiven Leistung

Phenibut gilt als Nootropikum – ein Mittel zur Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten, das Motivation, Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Konzentration steigert.

In einer klinischen Studie mit 62 Personen mit chronischen Ängsten, Phobien und kognitiven Beeinträchtigungen, verbesserte Phenibut (1.000 mg/Tag) die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis und die emotionale Intelligenz in 73% der Fälle [10].

Phenibut verbesserte das Gedächtnis und half den Ratten, schneller zu lernen und sich an den Stress in den frühen Stadien anzupassen. Die Effekte waren stabil und sehr früh spürbar. Die Vorteile sind wahrscheinlich auf die Aktivierung von GABA zurückzuführen (sowohl GABA-A als auch GABA-B). Die lern- und gedächtnisfördernden Effekte wurden in einer weiteren Studie an Mäusen bestätigt [7, 11].

Interessanterweise entwickelten Mäuse, denen Phenibut über einen längeren Zeitraum verabreicht wurde, eine Toleranz gegenüber seiner sedierenden Wirkung, während sein nootropischer Effekt verstärkt wurde [2].

Bei Kaninchen verbesserte es das Lernen, indem es die Reaktion des Gehirns auf Stress verstärkte. Es wirkte sowohl als Aufputschmittel als auch als Entspannungsmittel [12].

Obwohl vielversprechend, ist die Beweislage zur Unterstützung der nootropischen Effekte von Phenibut auf eine einzige klinische Studie und einige wenige Tierstudien beschränkt. Weitere klinische Forschung ist notwendig, um diese vorläufigen Ergebnisse zu bestätigen.

2

Reduktion von Angstzuständen und Aggression

In einer klinischen Studie mit 62 Personen mit Angstzuständen und chronisch verminderter Hirndurchblutung, reduzierte Phenibut die Anspannung in 79% der Fälle. Gleichzeitig reduzierte Phenibut die Müdigkeit, verbesserte den Schlaf und das Energieniveau [13].

In einer anderen Studie mit 62 Personen mit Angst- phobischen Störungen, reduzierte Phenibut die Angst und verbesserte die emotionale Intelligenz. Es war wirksam bei Menschen, die seit 1 – 5 Jahren mit Ängst und Phobien kämpften [10].

Die Steigerung der emotionalen Intelligenz könnte erklären, warum Menschen mit sozialen Ängsten sich damit selbst behandeln. Menschen mit höherer emotionaler Intelligenz können besser mit zwischenmenschlichen Beziehungen umgehen und ihre Emotionen kontrollieren und ausdrücken.

Bei Kaninchen reduzierte Phenibut das Angstgefühl und die Nervosität als Reaktion auf negative emotionale Reize. Es half ihnen, sich leichter aus stressigen Situationen zu befreien. Es hatte den stärksten Effekt auf aktive Kaninchen, während es normale oder passivere Kaninchen nicht so deutlich beeinflusste [14].

In einem anderen Tierversuch veränderte Phenibut die Gehirnwellen, um die Synchronisation zu erhöhen, was mit reduzierter Angst in Verbindung gebracht werden konnte. Es reduzierte auch die Überaktivierung des Hippocampus und der Hirnrinde auf negative Emotionen, was besonders wichtig für die übertriebene Furchtreaktion bei Angstzuständen ist. In einer anderen Tierstudie hatte es ähnliche Anti-Angst-Effekte wie Diazepam [15, 2].

Es verringerte die Aggression und verbesserte die sozialen Fähigkeiten bei Tieren in ängstlichen Situationen. Es reduzierte sowohl defensive als auch kompetitive Aggression. Citrocard, das dem Phenibut sehr ähnlich ist, hatte eine noch stärkere Wirkung [6].

Auch hier ist die Evidenz vielversprechend, aber unzureichend. Weitere Studien am Menschen sind notwendig, um sicher festzustellen, ob Phenibut bei Angstzuständen hilft.

3

Chronisches Fatigue Syndrom

In einer klinischen Studie mit 53 Personen mit chronischer Fatigue und schlechter Hirndurchblutung reduzierte Phenibut die Müdigkeit in den meisten Fällen um 30 – 50%. Es verbesserte sowohl mentale Erschöpfung als auch die Motivation. In der Tat war die reduzierte mentale Müdigkeit direkt mit einer Steigerung der kognitiven Funktion verbunden [16].

In einer Studie mit 60 Kindern mit emotionaler Müdigkeit (Neurasthenie) und Angstzuständen, verbesserte Phenibut (500 mg/Tag) die emotionalen Symptome in 67% der Fälle. Ein ähnliches russisches Medikament namens Adaptol hatte allerdings eine stärkere Wirkung. Bei Kindern, die neben anderen emotionalen Symptomen auch unter Müdigkeit, Schwäche und Schmerzen litten, wirkte Phenibut mit einer 87%igen Verbesserung der Symptome sogar noch besser [17].

Zwei kleine Studien können nicht als ausreichende Beweise für den Einsatz bei chronischer Müdigkeit angesehen werden. Ihre Ergebnisse sollten in größeren, fundierteren Studien validiert werden.

4

Hilfe bei Schlaflosigkeit (Insomnie)

Phenibut wird in Russland zur Behandlung von Schlaflosigkeit eingesetzt, aber die verfügbaren Studien sind begrenzt. Phenibut verbesserte den Schlaf in klinischen Studien mit Menschen, die unter Schlaflosigkeit als Folge verschiedener anderer Störungen litten.

Zum Beispiel erhöhte Phenibut bei 12 Alkoholikern in früher Abstinenz die Dauer der wichtigsten Schlafphasen über 2 Tage. Es verbesserte auch den Schlaf bei Menschen mit Angstzuständen und Kopfschmerzen [18, 13, 19].

Auch hier stammen die Erkenntnisse aus wenigen, kleinen klinischen Studien. Ihre vorläufigen Ergebnisse sollten in größeren, besser konzipierten Studien validiert werden.

5

Spannungskopfschmerzen

Bei einer Studie mit 30 Kindern und Jugendlichen konnte Phenibut über einen Zeitraum von zwei Monaten, die Häufigkeit, Dauer und Intensität von Spannungskopfschmerzen reduzieren. Es verbesserte auch die alltägliche Funktionsfähigkeit, Produktivität, Schlaf und Angstzustände – alles wichtige Faktoren bei der Bekämpfung von Kopfschmerzen. Die positiven Auswirkungen waren bereits nach 1 Monat spürbar (Dosis: 5 – 20 mg/kg/Tag) [19].

Weitere klinische Studien an größeren Populationen sind erforderlich, um dieses vorläufige Ergebnis zu validieren.

6

Benommenheit

Etwa die Hälfte der Menschen mit Bluthochdruck leiden auch unter Angstzuständen und Benommenheit als Begleiterscheinung. In einer klinischen Studie mit 58 Patienten mit Bluthochdruck reduzierte Phenibut (500 mg/Tag) nach etwa 2 Monaten das Benommenheitsgefühl, Angstzustände und Energiemangel [20].

Eine einzelne klinische Studie an einer kleinen Population kann jedoch nicht als ausreichender Beweis angesehen werden, um zu behaupten, dass Phenibut Benommenheit reduziert. Weitere, qualitativ hochwertigere klinische Untersuchungen sind hierfür erforderlich.

7

Stottern und Tcks

Bei 30 Kindern, die an Ticks und Stottern litten, reduzierte Phenibut die Ticks in 80% und das Stottern in 67% der Fälle [21].

Auch hier stammt die Beweislage zur Unterstützung dieser Behandlung aus einer einzigen, kleinen klinischen Studie. Weitere Studien an größeren Populationen sind erforderlich, um dieses vorläufige Ergebnis zu bestätigen.

8

ADHS

Da Phenibut die Aufmerksamkeit zu verbessern scheint, wurde angenommen, dass es auch bei ADHS-Symptomen hilfreich sein könnte. In einer klinischen Studie mit 50 Kindern mit ADHS verbesserte es nach 1 Monat (500 – 700 mg/Tag) die Kognition, Selbstkontrolle, Ausdauer, Aufmerksamkeit und das Gedächtnis [22].

Auch hier gilt, dass eine kleine Studie nicht als ausreichender Beweis für die Wirksamkeit angesehen werden kann. Darüber hinaus ist ein Monat eine kurze Zeit für die Bewertung von ADHS-Effekten; Langzeitstudien müssen bestimmen, ob der positive Effekt aufrechterhalten werden kann.

9

Alkoholismus

Laut einer Untersuchung hilft Phenibut, die Symptome des Alkoholentzugs zu reduzieren. Dies basiert auf einigen russischen Experimenten und der klinischen Anwendung, aber es gibt keine größeren Studien [2].

In einer klinischen Studie mit 22 Personen verbesserte es den Schlaf bei Alkoholikern nach der anfänglichen Entzugsperiode [18].

Es reduzierte das Verhalten und das Verlangen bei Tieren mit chronischem Alkoholismus [23].

Bei Tieren verhinderte Citrocard (Phenibut-Zitrat) auch Herzschäden, die durch chronischen Alkoholkonsum verursacht wurden [24].

Zusammenfassend, ist die Beweislage für die Behauptung, dass Phenibut bei Alkoholabhängigkeit hilft, unzureichend. Wie wir weiter unten besprechen werden, kann der Versuch, eine Sucht mit einer Substanz zu behandeln, die selbst süchtig machen kann, mehr schaden als nützen.

10

Erhöhung der Toleranz gegenüber Hitze

Menschen, die in extremen Umgebungen arbeiten, können gesundheitliche Probleme und Anpassungsschwierigkeiten haben. Phenibut kann helfen, die Anstrengung bei körperlicher Arbeit in extremer Hitze zu reduzieren. In einer Studie erhöhte es in Kombination mit einem anderen Medikament (Obsidan) die Hitzebeständigkeit und schützte so den Körper vor hohen Temperaturen [25].

Bei Menschen unter intensiver körperlicher Anstrengung verhinderte eine einzige Dosis Phenibut (250 mg) eine Überhitzung, erhöhte die Hitzetoleranz, verbesserte die Sauerstoffversorgung und half, eine hohe Arbeitsfähigkeit aufrechtzuerhalten [26].

Da diese Anwendung nur von zwei Studien gestützt wird und wir keinen Zugang zu ihren Besonderheiten hatten, können wir nicht mit Sicherheit schließen, dass es die Hitzetoleranz erhöht. Weitere klinische Forschung ist erforderlich.

11

Sportliche Ausdauer und Libido

Es gibt keine Studien über die Auswirkungen von Phenibut auf die körperliche Leistungsfähigkeit oder Libidosteigerung. Tierstudien, die zeigen, dass natürliches GABA die Leistung und die Wachstumshormonproduktion steigern kann [27].

Aber während GABA eine natürliche Substanz ist, ist Phenibut im Gegensatz dazu ein chemisch verändertes Molekül. Wir können nicht davon ausgehen, dass es dieselbe Wirkung hat.

In Studien mit Menschen, die an chronischer Müdigkeit oder schlechter Hirndurchblutung leiden, verbesserte es das Energieniveau. Es hat auch eine angstmindernde, euphorisierende Wirkung. Wenn sich also diese Eigenschaften addieren, könnte man daraus schließen, dass es potentiell die sportliche und sexuelle Leistung verbessern kann. Dies ist allerdings nicht belegt [2].

Tier- und Zellversuche

Phenibut wurde auch in Bezug auf andere gesundheitliche Probleme untersucht. Da sich die Forschung im Tier- und Zellstadium befindet, gibt es keine Beweise dafür, dass es beim Menschen die gleiche Wirkung hat.

12

Schutz des Hirns

Phenibut reduzierte Amnesie und Hirnschäden bei Ratten mit Schlaganfall. Es verbesserte die schlechte Durchblutung des Gehirns, sensorische und Bewegungsdefizite und half so bei der Genesung. Es erhöhte BDNF, entscheidend für die Neurogenese, den Prozess der Bildung neuer Gehirnzellen. Es schaltete auch Gene ein, die neue Blutgefäße im Gehirn bilden und die Durchblutung verbessern (VEGF) [28, 29].

In einer anderen Studie mit Ratten, die an Amnesie litten, verbesserte es das Gedächtnis und schützte das Gehirn vor den schädlichen Auswirkungen von Elektroschocks. Im Vergleich zu anderen ähnlichen Medikamenten wie Baclofen, hatte Phenibut die stärkste neuroprotektive Wirkung [11].

Es schützte das Gehirn und verbesserte die Rehabilitation in einer anderen Studie an Ratten mit Schlaganfall, war aber nur bei Tieren mit einem aktiven Immunsystem wirksam. Bei immunsuppremierten Ratten mit Schlaganfall bot es keinen großen Nutzen [30].

Die gehirnschützenden Effekte sind wahrscheinlich ein Ergebnis der Erhöhung von GABA, laut einer Studie, die an den Gehirnzellen von Ratten durchgeführt wurde [31].

13

Schutz des Herzens vor Stress

Bei Tieren schützte Phenibut das Herz vor Stress und verbesserte seine Pumpleistung. Es erhöhte indirekt Stickstoffmonoxid, das die Blutgefäße entspannt [32, 33].

Phenibut verbesserte den Blutfluss und löste verstopfte Arterien nach einem Schlaganfall bei Ratten (allein oder in Kombination mit Nikotinsäure) [34].

Sowohl Phenibut als auch Citrocard schützten das Herz bei Tieren vor Alkoholschäden. Durch die Erhöhung von GABA, die Verbesserung des Blutflusses und die Reduzierung von Stress, reduzierte Phenibut auch Arrhythmien in Tierstudien [35, 36].

Bei schwangeren Ratten mit hohem Blutdruck verhinderte das Phenibut den Anstieg des Blutdrucks, reduzierte die übermäßige Blutgerinnung und die Verstopfung der Blutgefäße. Es reduzierte auch Schwellungen und oxidativen Stress, erhöhte den Blutfluss zur Gebärmutter und schützte die Blutgefäße [37, 38].

Die sichere Anwendung in der Schwangerschaft konnte in keiner klinischen Studie nachgewiesen werden.

14

Regulation des Immunsystems

Phenibut reduzierte die Überstimulation des Immunsystems bei Tieren. Es stellte auch die Anzahl der mikrobenfressenden phagozytischen Zellen wieder her, die bei der Bekämpfung von Bakterien helfen [39].

Auf der anderen Seite verstärkte es die Immunantwort bei Mäusen mit unterdrücktem Immunsystem. Es kann direkt auf die weißen Blutkörperchen wirken [40].

Phenibut verbesserte die Immunität und das Verhalten bei Mäusen, die ein immunsuppressives Medikament erhielten. Es kann die Immunität verstärken, indem es das Gehirn beeinflusst und einen „psycho-immunen“ Effekt hat [41].

15

Atembeschwerden

Phenibut verhinderte Apnoe und stellte die normale Atmung bei Ratten mit sehr hohem Serotoninspiegel wieder her. Zu viel Serotonin erzeugt ein Ungleichgewicht von GABA im Gehirn, das dieses Medikament wiederherstellen kann [42].

Es normalisierte auch die Atmung bei Kaninchen, die negativen emotionalen Reizen ausgesetzt waren [43].

Phenibut reduziert wahrscheinlich Atemprobleme in stressigen Situationen, indem es das GABA im Gehirn ankurbelt und Angstzustände reduziert.

16

Chronische Schmerzen

GABA beruhigt nicht nur das Gehirn, sondern hilft auch, Schmerzen zu reduzieren. Es reduzierte neuropathische Schmerzen bei Mäusen, indem es die GABA-Werte erhöhte. Es half auch bei chronischen neuropathischen Schmerzen und Entzündungen bei Mäusen [44, 45, 46].

Phenibut reduzierte auch die emotionale Reaktion auf Schmerz bei Mäusen. Der emotionale, psychologische Aspekt des Schmerzes kann noch schwieriger zu behandeln sein als die körperliche Empfindung. Er wird auch oft mit Depressionen und Angstzuständen in Verbindung gebracht, wofür dieses Medikament zusätzlich eingesetzt wird [2, 47].

Es wurden hierzu keine klinischen Studien durchgeführt, aber die Kehrseite von Phenibut ist, dass Menschen schnell eine Toleranz gegenüber dem Medikament aufbauen können. Dies würde wahrscheinlich bei der Verwendung bei chronischen Schmerzen auf lange Sicht zutreffen.

Wahrscheinlich unwirksam bei

Dem Überwinden von Süchten

In einer Studie mit 24 Probanden die an Heroinabhängigkeit litten, verbesserte Phenibut die Stimmung, das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit und die allgemeine kognitive Funktion, ohne das Verlangen nach Heroin zu erhöhen. Es reduzierte aber auch nicht das Verlangen nach Drogen [48].

Berichte über Menschen, die es für den Opioid-Entzug verwenden, nehmen zu. Es kann durch die Linderung von Angst, Schlaflosigkeit, Müdigkeit und kognitiven Symptomen während des Entzugs helfen. Nur Baclofen, das dem Phenibut ähnlich ist, half, die Symptome des Opioid-Entzugs zu reduzieren. Der Einsatz von Phenibut bei Opioid Abhängigkeit und -entzug bleibt weitgehend unbelegt [2].

Noch schwieriger ist, dass Phenibut süchtig machen kann, Entzugserscheinungen hervorruft und mit anderen Medikamenten, die bei Opioid Abhängigkeit eingesetzt werden, interagiert [49].

Kombination mit Kratom

Viele Menschen berichteten, dass sie Kratom in Kombination mit Phenibut für den Opioid-Entzug verwenden. Wir warnen jedoch davor, da es keine klinischen Studien für den Einsatz dieses Medikaments oder von Kratom – allein oder in Kombination – zur Reduzierung von Opioid-Entzugssymptomen gibt.

Einige wenige russische Studien erwähnen Phenibut als eine Option, aber Baclofen ist besser erforscht für diesen Einsatz. Was Kratom betrifft, so kann es die Entzugssymptome reduzieren, da es die Opioid-Signalwege aktiviert. Aber es kann auch Leberschäden und andere ernsthafte Nebenwirkungen verursachen [50].

Darüber hinaus liefert eine PubMed-Suche nach Phenibut und Kratom keine Ergebnisse. Die genauen Wechselwirkungen und Risiken ihrer kombinierten Verwendung sind völlig unbekannt.

Außerdem machen sowohl Phenibut als auch Kratom selbst süchtig. Die Kombination schafft eine andere Art von „High“, die genauso süchtig machen kann wie Narkotika, gefährlich ist und komplizierte Entzugserscheinungen verursachen kann.

Nebenwirkungen und Warnhinweise

Wir bei NootropNet glauben, dass Phenibut nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte, ohne die Beratung durch einen Arzt. Diese Substanz kann Nebenwirkungen verursachen, hat Missbrauchspotenzial und sollte nicht als Nahrungsergänzungsmittel betrachtet werden (obwohl sie als solches klassifiziert ist), sondern eher als Medikament.

Beachten Sie, dass das Sicherheitsprofilrelativ unbekannt ist, da es keine gut konzipierten klinischen Studien gibt. Die unten stehende Liste der Nebenwirkungen ist daher unvollständig. Sie sollten Ihren Arzt über andere mögliche Nebenwirkungen konsultieren, basierend auf Ihrem Gesundheitszustand und möglichen Wechselwirkungen mit Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln.

Phenibut kann toxisch sein, besonders in hohen Dosen. Zu den Nebenwirkungen gehören:

  • Kopfschmerzen
  • Niedriger Blutdruck und erhöhte Herzfrequenz
  • Bewusstseinsverlust
  • Sedierung und Schläfrigkeit
  • Unruhe
  • Übermäßige Muskelentspannung oder Zittern
  • Halluzinationen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Arzneimitteltoleranz
  • Serotonin Syndrom

Nebenwirkungen sind viel wahrscheinlicher bei Dosen über 1 g/Tag, während hohe Dosen (3 g/Tag oder mehr) sehr gefährlich sein können. Bei zwei Patienten mit hohen Phenibut-Blutspiegeln traten Delirium und vermindertes Bewusstsein auf.

Mischkonsum mit Alkohol

Phenibut und Alkohol sollten nicht gemischt werden. Beide Substanzen erhöhen die GABA-Aktivität im Gehirn und verursachen eine Sedierung. Bei Kombination werden die Wirkungen verstärkt, erhöhen das Risiko einer Überdosierung und können einen Bewusstseinsverlust und schwere psychische Störungen verursachen.

Sowohl Phenibut als auch Alkohol können abhängig machen. Die Abhängigkeit von beiden zusammen ist schwieriger zu überwinden und der Entzug kann komplizierter sein.

Überdosierung

In einem Fall führte eine Phenibut-Überdosierung zu Verwirrung, Krämpfen beim Gehen, flacher Atmung, niedriger Körpertemperatur und gemindertem Bewusstsein [57].

In einem anderen Fall musste ein Mann, der 30 g eines im Internet gekauften Phenibut-Pulvers eingenommen hatte, auf die Intensivstation eingeliefert und intubiert werden. Er durchlief Phasen von Unruhe, Schläfrigkeit und Muskelzuckungen [53].

Entzugserscheinungen

Zu den Entzugssymptomen gehören:

  • Rebound Effekt
  • Panikattacken
  • Unruhe und Reizbarkeit
  • Schwindel
  • Müdigkeit
  • Appetitsverlust
  • Schlaflosigkeit
  • Muskelzucken und Zittern
  • Herzrasen
  • Halluzinationen
  • Verwirrung
  • Derealisation und Depersonalisation
  • Erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen
  • Übelkeit

Es kann sich schnell eine Toleranz entwickeln, was dazu führt, dass die Menschen immer höhere Dosen einnehmen, was die Nebenwirkungen verschlimmern kann. Es macht auch das Absetzen dieses Medikaments schwierig und den Entzug schwer, da sich die Menschen an die beruhigende Wirkung gewöhnen.

Die Schwere des Entzugs hängt individuell davon ab, wie lange das Medikament eingenommen wurde und in welcher Dosierung.

Natürliche Alternativen und Ersatzprodukte

GABA selbst wird natürlich im Gehirn produziert, allerdings ist die Produktion bei Menschen mit Angstzuständen, Depressionen oder unter Stress geringer. Die Einnahme von GABA-Präparaten allein, kann aber den GABA-Spiegel im Gehirn nicht erhöhen, da es nicht direkt ins Gehirn gelangen kann.

Es gibt verschiedene natürliche Wege, den GABA-Spiegel mit pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln oder durch Aktivitäten zur Stressreduzierung zu erhöhen. Diese geben Ihnen nicht den „Rausch“ eines plötzlichen GABA-Anstiegs wie synthetische Medikamente, sind aber sowohl kurz- als auch langfristig viel gesünder.

Diese natürlichen Methoden können Menschen mit Angstzuständen helfen und möglicherweise auch denen, die Phenibut absetzen und die Entzugserscheinungen lindern wollen.

Beachten Sie jedoch, dass die medizinische Verwendung dieser Produkte nicht von der FDA genehmigt wurde. Nahrungsergänzungsmittel sollten nicht anstelle von Medikamenten verwendet werden, die Ihnen von Ihrem Arzt verschrieben wurden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie irgendwelche Ergänzungsmittel einnehmen, um potenziell gefährliche Wechselwirkungen zu vermeiden.

Einige beruhigende, GABA-erhöhende pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel umfassen:

  • Kava
  • Magnolienrinde
  • Baldrian
  • Scheitelkäppchen
  • Zitronenmelisse
  • Schwarzkümmelöl
  • Ashwagandha
  • Lavendel
  • Theanin aus grünem Tee
  • Apigenin aus Mutterkraut und Kamille
  • Taurin

Änderungen des Lebensstils, die GABA-Werte erhöhen und Stress reduzieren können, umfassen:

  • Bewegung, langfristig
  • Meditation und Yoga

Durch die Stimulierung des Vagus Nervs  wird auch das GABA im Gehirn erhöht.

Viele der hier erwähnten und beschriebenen Studien sind in russischer Sprache und auf Tierversuche beschränkt.

Als ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter einer großen deutschen Universität und mit Promotion zum Dr. rer. Nat in molekularer Biologie schreibe ich fundiert argumentierte Texte zu wissenschaftlichen Themen. Mein Schwerpunkt hierbei ist das Thema Supplements. Im Internet gibt es hierzu viele unsinnige Informationen. Oft steht der Verkauf im Vordergrund und nicht die Aufklärung über Wirkung, Dosierung und richtige Anwendung des vorgestellten Nahrungsergänzungsmittels. Oder die Möglichkeiten werden nur zurückhaltend beschrieben. Mein Ziel ist es, gründlich recherchierte Fakten anzubieten, die dennoch verständlich bleiben. Meine Profile: ORCID & LinkedIn

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