Kann ADHS Brain Fog verursachen?

ADHS ist eine neuro-psychiatrische Erkrankung, die Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität kombiniert. Betroffene Menschen erleben häufig sogenannten Brain Fog – also Symptome wie Vergesslichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und ganz besonders: verlangsamtes Denken. Lesen Sie weiter, um mehr über Brain Fog bei ADHS und dessen Begleiterscheinungen zu erfahren.

Gehirnveränderungen bei ADHS verstehen

Was ist ADHS?

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine häufige psychische Störung mit Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität/Impulsivität. Je nachdem, welche Symptome überwiegen, kann ADHS in drei Subtypen eingeteilt werden [1, 2, 3, 4]:

  • Unaufmerksamkeit (ADHD-I): verminderte Aufmerksamkeit, Konzentrations- und Organisationsschwierigkeiten, Vergesslichkeit.
  • Hyperaktivität-Impulsivität (ADHD-H): übermäßiges Reden und Bewegen, Unbehagen, wenn man gezwungen ist, still zu stehen, Tendenz andere zu unterbrechen, geht Risiken ein, ohne an die Konsequenzen zu denken.
  • Kombination der beiden (ADHD-C): ein Mix der oben genannten Symptome.

ADHS vermindert die schulischen Leistungen, verursacht Probleme in sozialen Beziehungen, erhöht das Risiko für gefährliches Verhalten (z. B. Drogenmissbrauch) und wird mit Schulabbruch und vermindertem Einkommen verbunden [5, 6, 7].

ADHS ist eine häufige neuro-psychiatrische Störung. Menschen mit damit leiden an Symptomen wie Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität/Impulsivität.

Sluggish Cognitive Tempo und ADHS

Sluggish Cognitive Tempo (SCT, „Träges kognitives Tempo“), auch bekannt als Konzentrationsdefizitstörung, ist eine Kombination verschiedener Symptome, wie Tagträumen, Verwirrung und verlangsamten Denken. Obwohl sie zunächst mit ADHS-I zusammengefasst wurde, haben weitere Studien möglicherweise ihre Unterschiede aufgezeigt [8, 9, 10, 11]. Allerdings ist dies durchaus umstritten und wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt.

Die I-Variante beeinträchtigt eher die exekutiven Funktionen, das Zeitmanagement und die Motivation, während SCT die akademischen Leistungen, die selektive Aufmerksamkeit, die Selbstorganisation, das Problemlösen, die Selbstdisziplin und die Emotionskontrolle verschlechtert [12, 13, 11, 14].

Dennoch kommt SCT bei Menschen mit hyperkinetischer Aufmerksamkeitsstörung häufiger vor. Drei Studien an über 1000 Erwachsenen und 2000 Kindern und Jugendlichen fanden SCT-Symptome bei 40-60% der Menschen mit dem Aufmerksamkeitsdefizit Syndrom. Die Kombination von ADHS und SCT ist beeinträchtigender als jede der beiden Erkrankungen allein [12, 14, 15].

Die Sluggish cognitive Tempo Leitsymptome wie Konzentrations- und selektive Aufmerksamkeitsdefizite sind denen von ADHS ähnlich.

Wie wirkt sich ADHS auf das Gehirn aus?

Durch Neuroimaging des Gehirns von Kindern und Erwachsenen mit ADHS konnten mehrere strukturelle Anomalien in Regionen, die das Arbeitsgedächtnis und die Aufmerksamkeit kontrollieren (wie der Kortex, die Basalganglien und das Kleinhirn) gefunden werden. Dazu gehören [16, 2, 17, 1, 18]:

  • Reduzierte Größe
  • Geringere Dichte der grauen Substanz
  • Veränderungen der Integrität der weißen Substanz
  • Verzögerte Kortexreifung bei Kindern und reduzierte Dicke bei Erwachsenen

Darüber hinaus zeigen erkrankte Menschen eine verringerte Aktivität einiger Hirnregionen, die an exekutiven Funktionen und Aufmerksamkeit beteiligt sind (Kortex, anteriorer cingulärer Gyrus, Thalamus und Kleinhirn) und eine Überaktivierung derjenigen, die Tagträumen und Gedankenkreisen begünstigen (das Ruhezustandsnetzwerk oder DMN) [19, 20, 17].

Bei erkrankten Personen ist die Dopamin- und Noradrenalinübertragung gestört. Dies kann auf Mutationen in den Proteinen zurückzuführen sein, die für die Produktion, das Erkennen, den Transport und den Abbau dieser Neurotransmitter verantwortlich sind [21, 22, 23].

In ähnlicher Weise geht es bei manchen Menschen mit Störungen der Übertragung von Serotonin, Acetylcholin und Glutamat einher [24, 25, 26].

Studien legen nahe, dass ADHS deutliche Veränderungen im Gehirn verursachen kann. Ebenfalls können Erkrankte Neurotransmitter-Anomalien aufweisen. Hier ist mehr Forschung erforderlich.

Brain Fog und ADHS

Was ist Brain Fog?

Brain fog, auch bekannt als „mentaler Nebel“, „minimale Bewusstseinstrübung“ und „kognitive Dysfunktion“, ist ein inoffizieller Begriff zur Beschreibung einer Konstellation kognitiver Symptome wie [27, 28]:

  • Verminderte geistige Klarheit und kognitive Funktion
  • Schwierigkeiten bei der Konzentration und beim Multitasking
  • Verlust des Kurz- und Langzeitgedächtnisses
  • Verlangsamtes Denken
  • Verwirrung
  • Müdigkeit

Einige Forscher glauben, dass „Brain Fog“ durch Entzündungen oder freie Radikale verursacht wird, die die Gehirnregionen schädigen, die für Emotionen, kognitive und exekutive Funktionen verantwortlich sind – das limbische System [27, 28, 29].

Menschen mit hyperkinetischer Aufmerksamkeitsstörung berichten häufig über Vergesslichkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. Menschen mit einem trägen kognitiven Tempo wiederum neigen dazu, sich abwesend, verwirrt und gedankenverloren zu fühlen. Aber bedeutet das, dass diese Bedingungen Auslöser für Brain Fog sind? Werfen wir einen Blick auf die Forschung, um das herauszufinden.

In jedem Fall sollten Sie bedenken, dass der Zusammenhang mit Brain Fog-Symptomen hauptsächlich in Kohortenstudien untersucht wurde. Während diese Studien einen Zustand mit bestimmten Symptomen in Verbindung bringen, können sie ihn jedoch nicht als Ursache für diese Symptome bestimmen.

Brain Fog ist kein akademischer Begriff, sondern die Beschreibung einer Konstellation von subjektiven Symptomen: leichte kognitive Schwierigkeiten, Gedächtnisprobleme und Müdigkeit.

Kinder und Jugendliche mit ADHS

In 9 Studien an über 5000 Kindern und Jugendlichen wurde ADHS mit Problemen in den folgenden kognitiven Bereichen in Verbindung gebracht [30, 31, 32, 33, 34, 35, 36, 37, 38]:

  • Arbeits- und Langzeitgedächtnis
  • Verarbeitungsgeschwindigkeit
  • Sprachverstehen
  • Anhaltende Aufmerksamkeit
  • Exekutive Funktion
  • Organisatorische Fähigkeiten

Die meisten Kinder gehören dem kombinierten ADHS-Subtyp an. Im Vergleich zu den anderen hat diese Variante oft schwerwiegendere Symptome [39, 40, 41, 42].

Kinder mit ADHS-H neigen dazu, aggressiver, aktiver und impulsiver zu imponieren. Kinder mit der I Variante wiederum haben überdurchschnittlich häufig deutlichere Brain Fog-Symptomatiken, wie eine reduzierte Verarbeitungsgeschwindigkeit und anhaltende Unaufmerksamkeit [39, 43, 44, 45, 46, 47, 48].

Allerdings verschwinden die Unterschiede zwischen den Subtypen allmählich, während das Kind heranwächst, und sind in der Adoleszenz oft nicht mehr offensichtlich [42].

Verschiedene Studien verbinden ADHS mit kognitiven Problemen bei Kindern und Jugendlichen.

ADHS bei Erwachsenen

Obwohl man anfangs dachte, ADHS sei eine Kinderkrankheit, zeigten Langzeit-Folgestudien, dass 40-60 % der diagnostizierten Kinder die Krankheit im Erwachsenenalter beibehalten [49, 50, 17].

Sieben Studien an über 1300 erkrankten Erwachsenen fanden sich Probleme in den folgenden kognitiven Bereichen [51, 52, 53, 54, 55, 56, 57]:

  • Exekutive Funktion
  • Anhaltende Aufmerksamkeit
  • Arbeitsgedächtnis
  • Sprachverständnis

Erkrankte Erwachsene haben aufgrund ihrer Unaufmerksamkeit eher Schwierigkeiten bei der Erledigung von Aufgaben. Umgekehrt ist die Hyperaktivität stark reduziert und bleibt nur als Unruhe bestehen. Es besteht ein erhöhtes Risiko für Substanzmissbrauch, was seinerseits zu kognitiven Beeinträchtigungen beitragen kann [58, 17, 59].

Die Symptome sind bei älteren Menschen tendenziell milder ausgeprägt und scheinen nicht mit dem Risiko der Entwicklung einer Demenz assoziiert zu sein [60, 61, 62].

Obwohl Studien ADHS bei Erwachsenen mit kognitiven Problemen und Unruhe in Verbindung gebracht haben, sind weitere groß angelegte Studien erforderlich.

Brain Fog und Sluggish Cognitive Tempo

Überlappen der Symptome

Sluggish Cognitive Tempo wird mit Brain Fog in Verbindung gebracht. Die Hauptsymptome sind unter anderem [8, 9]:

  • Schläfrigkeit
  • Tagträumerei
  • Häufiges Starren
  • Verwirrung
  • Langsames Denken und Erledigen von Aufgaben
  • Verminderte Aktivität und Ausdauer
  • Konzentrationsschwierigkeiten
Ein Sluggish Cognitive Tempo verursacht Aufmerksamkeitsschwierigkeiten und ist für langsames Denken verantwortlich. Es scheint eine Verbindung zum Brain Fog zu bestehen.

Einschränkungen und Vorbehalte

Bei den Studien, die den Zusammenhang zwischen ADHS und Brain Fog-Symptomen untersuchten, handelte es sich im Allgemeinen um Kohortenstudien, die keine Ursache-Wirkungs-Beziehung herstellen können.

Außerdem unterschieden sie sich in Faktoren wie Alter, Geschlecht, ADHS-Subtyp oder Medikamentenvorgeschichte der Probanden, was es schwierig macht die Studien zu vergleichen.

Fazit

ADHS ist eine häufige Störung sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. Sie ist gekennzeichnet durch Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität sowie Impulsivität. Laufende Forschungen untersuchen, ob und in welchem Ausmaß es die kognitive Funktion und die Gesundheit des Gehirns beeinflusst.

Ein träges kognitives Tempo, oder Sluggish Cognitive Tempo, ist ADHS zwar ähnlich, aber es wird angenommen, dass es durch selektive Aufmerksamkeitsprobleme und Konzentrationsdefizite gekennzeichnet ist. Hier gibt es jedoch Kontroversen. Einige Betroffene des Aufmerksamkeitskeit/ Hyperaktivitäts Defizit Syndroms, leiden auch unter Symptomen von trägem kognitivem Tempo, das sich mit dem Brain Fog überschneidet:

  • Vergesslichkeit
  • Müdigkeit
  • verminderte geistige Klarheit

Einigen Studien zufolge verändert ADHS das Gehirn und kann zu Anomalien im Neurotransmitterhaushalt führen. Es wurde mit kognitiven Problemen bei Kindern und Erwachsenen in Verbindung gebracht, die subjektiv als Hirnnebel beschrieben werden. Weitere Forschung ist hier erforderlich.

Als ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter einer großen deutschen Universität und mit Promotion zum Dr. rer. Nat in molekularer Biologie schreibe ich fundiert argumentierte Texte zu wissenschaftlichen Themen. Mein Schwerpunkt hierbei ist das Thema Supplements. Im Internet gibt es hierzu viele unsinnige Informationen. Oft steht der Verkauf im Vordergrund und nicht die Aufklärung über Wirkung, Dosierung und richtige Anwendung des vorgestellten Nahrungsergänzungsmittels. Oder die Möglichkeiten werden nur zurückhaltend beschrieben. Mein Ziel ist es, gründlich recherchierte Fakten anzubieten, die dennoch verständlich bleiben. Meine Profile: ORCID & LinkedIn

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